Die RoboCup-Weltmeisterschaft fand in der japanischen Stadt Nagoya statt, in der sie vor zwanzig Jahren erstmals ausgetragen wurde. Mehr als 3.500 Forscher, Studenten und Schüler aus 40 Ländern beteiligten sich an Wettbewerben im Roboterfußball und in anwendungsorientierten Ligen. In der Humanoid-Liga treten menschenähnlich geformte Roboter gegeneinander an, die sich völlig autonom bewegen. Die Wettbewerbe werden in den Größenklassen KidSize (unter 60 Zentimetern), TeenSize (100 bis 140 Zentimeter) und AdultSize (über 130 Zentimeter) ausgetragen.
Der Star der diesjährigen RoboCup –Weltmeisterschaft heißt NimbRo-OP2 und kommt aus Bonn. In der AdultSize-Klasse konnte kein anderer Roboter-Fußballer ihm das Wasser reichen. Stärkster Gegner war Landsmann “Sweaty”, den die Hochschule Offenburg ins Rennen geschickt hatte. Zwar waren beide Spieler stark darin, den Ball zu erkennen und kräftig zu kicken, jedoch setzte sich der Bonner Roboter ein ums andere Mal beim Kampf um den Ball durch und erzielte Tor um Tor. 7:0 stand es zur Halbzeit. Das Spiel endete nach einem Anerkennungstreffer für den badischen Gegner 11:1 für den NimbRo. Der siegreiche NimbRo-OP2-Roboter erhielt außerdem den von der japanischen Firma Flower Robotics gesponsertenRoboCup Design Award, mit dem die Entwicklung von Robotern in Forschung und Lehre gefördert werden soll.
Die Bonner TeenSize-Roboter gewannen das Finale ihrer Klasse mit einem 2:0-Sieg über HuroEvolutionTN aus Taiwan nachdem sie das Spiel dank klarer Vorteile dominiert hatten.
Technische Wettbewerbe
In den technischen Wettbewerben mussten die Roboter vier Aufgaben lösen: einen rollenden Ball ins Tor kicken, den Ball über ein Hindernis kicken, Hochsprung sowie die Wahrung der Balance beim Gehen nach einem Schubser. Auch hier konnten sich die Bonner Roboter in beiden Größenklassen durchsetzen.
Neu war in diesem Jahr ein „Drop-in“-Turnier, das in der TeenSize-Klasse ausgetragen wurde. Es spielte jeweils ein Roboter aus vier verschiedenen Teams in einer Mannschaft. Mit 21 Punkten gewann das Bonner Team diesen Teilwettbewerb klar.
Der Teamchef und Leiter der Arbeitsgruppe Autonome Intelligente Systeme, Prof. Dr. Sven Behnke, sagte nach dem Doppelsieg bei der Weltmeisterschaft: „Dieser herausragende Erfolg ist die Leistung unseres großartigen Teams, das die Roboter fit für das Turnier gemacht hat.“
Parallel zum RoboCup fand auch die Amazon Robotics Challenge statt, an der sich das Bonner Team zum zweiten Mal beteiligt hat. Insgesamt wurden 16 Teams von internationalen Top-Universitäten und Forschungsinstituten von der Firma Amazon für die Challenge ausgewählt. In diesem anwendungsorientierten Wettbewerb waren Manipulationsaufgaben aus dem Logistikbereich zu lösen. Die Bonner traten mit einem neu entwickelten Robotersystem an, das mit zwei Manipulator-Armen Objekte aus Transportbehältern und einem Lagersystem greifen kann und diese im Lagersystem oder in Pappkartons ablegt. Die Objekte werden mit einer hochaufgelösten Kamera und einem 3D-Sensor erfasst und mit Methoden des Deep Learnings erkannt.
Zweite beim Greifwettbewerb
Die Manipulator-Arme sind einem knickbaren Sauggreifer und einem weiteren beweglichen Finger ausgestattet, um flexibel greifen zu können. Die Challenge bestand aus zwei Teilwettbewerben und dem Finale. Im Pick-Wettbewerb, bei dem das Robotersystem angeforderte Objekte aus dem Lagersystem entnehmen und in Pappkartons ablegen musste, erzielte das Bonner Team die zweithöchste Punktzahl 245 und unterlag nur knapp dem Team der TU Nanyang aus Singapur, das 257 Punkte erzielte. Im Finale mussten zunächst 16 Objekte aus einer Transportkiste entnommen und eingelagert werden und dann sollten 10 Objekte aus dem Lagersystem entnommen und in Pappkartons abgelegt werden. Hier erreichte NimbRo ebenfalls einen zweiten Platz mit 235 Punkten, hinter dem australischen Team ACRV mit 272 Punkten. Das letzte zum Sieg fehlende Objekt hatte der Bonner Roboter schon gegriffen, legte es dann aber wegen einer fehlgeschlagenen Gewichtsüberprüfung wieder im Lagersystem und nicht wie vorgesehen im Pappkarton ab. Für die beiden zweiten Plätze erhält das Bonner Team ein Preisgeld von insgesamt 50.000 US-Dollar.
Weitere Informationen:
RoboCup 2017:
http://www.robocup2017.org/eng
Humanoide Fußballroboter des Bonner Teams NimbRo:
http://www.ais.uni-bonn.de/nimbro/Humanoid
Amazon Robotics Challenge:
https://www.amazonrobotics.com/#/roboticschallenge
Kistengreifroboter des Bonner Teams NimbRo Picking:
http://www.ais.uni-bonn.de/nimbro/Picking
Kontakt für die Medien:
Prof. Dr. Sven Behnke
Universität Bonn
Institut für Informatik VI
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E-Mail: behnke@cs.uni-bonn.de